Evangelische Kirchengemeinden Leun und Tiefenbach

3. Woche: Was mich trägt

3. Woche: Was mich trägt

7WO-2023_WO3_Charlotte Sattler

Der HERR
segne dich und behüte dich;
der HERR
lasse sein Angesicht leuchten
über dir
und sei dir gnädig;
der HERR
hebe sein Angesicht über dich
und gebe dir Frieden.
(4. Mose 6, 24-26)

Ich gehe gerne mit Freund:innen Slacklinen. Ein Gurt, straff gespannt zwischen zwei Punkten, auf dem man entlangbalanciert. Auf der einen Seite der Baum, an dem man aufsteigt, auf der anderen Seite das Ziel, und dazwischen ein Weg.

An dem Baum auf der einen Seite hält man sich zu Beginn fest. So stabilisiert bekommt man ein Gefühl für die Line. Man kann sich auch wieder hochziehen, wenn man heruntergefallen ist. Der Baum ist beim Neustart eine Unterstützung, auf die Verlass ist. Aber der Baum kann auch bremsen. Er hält einen manchmal auch fest, wenn man einfach nicht loslassen will, obwohl das Ziel doch auf der anderen Seite liegt.

Das Ziel ist der Knotenpunkt am anderen Ende der Slackline. Wenn ich mich darauf fokussiere, fällt das Gehen viel leichter, der Blick auf das Ziel stabilisiert. Plötzlich muss nicht mehr der Baum mir Sicherheit geben. Ich finde sie im Ziel. Und auch wenn ich mal ins Wanken komme und deshalb den Knotenpunkt aus den Augen verliere, kein Problem. Such dir einen anderen Fixpunkt, und die Stabilität kommt zurück.

Ich versuche auf dem Seil zu gehen, neben mir eine Freundin, ein Freund. Immer wieder – egal wie gut und sicher man sich auf der Slackline bewegt – kommen Situationen, da freut man sich über die stützende Hand. Da nimmt man Gespräch und gemeinsame Reflexion gerne an. Da setzt man sich gemeinsam ins Gras und macht eine Pause.

Was trägt mich, damit ich nicht verzage?

Der Baum, an dem ich mich festhalten kann – Traditionen, Rituale, Melodien. Nicht nur einmal hat mich mein Taufspruch aus Psalm 23 begleitet, gibt mir ein vertrautes Lied den Mut weiterzugehen, trägt mich das gemeinsame Beten des Vaterunsers. Die Weggemeinschaft, die mich begleitet. Ich bin nicht alleine, und wenn ich ins Schlingern gerate, gibt es Menschen neben mir, die mich stützen. Und wenn ich mal falle, hilft mir jemand auf. Ich denke an meine WG, meine Familie, meine Freunde.

Ein Ziel, das ich manchmal sehen kann und manchmal nur erahne. Das führt mir vor Augen, dass es sich lohnt, den wackligen Weg zu gehen, mich anzustrengen. Und manchmal stabilisiert der Blick auf das Ziel den Weg.

Und dann, dass ich weiß, dass ich gesegnet bin. In meinem Bild: das weiche Gras. Ich darf stürzen, ich kann fallen und aufstehen und neu anfangen. Immer wieder. Und ich darf mich auch einfach so mal setzen. Pause machen. Genießen. Ich bin gesegnet und behütet. Gott meint es gut mit mir und ist mir gnädig. Was für ein Zuspruch.
(Gedanken von Anna-Nicole Heinrich, Präses der EKD Synode, im Zutatenheft der Aktion 7 Wochen ohne 2023)

Impulsfragen:

Was hält mich, wenn ich mal ins Schlingern gerate?

Wo kann ich ausruhen und Kraft tanken?

Wie oft bin ich dort?

Musiktipp:

Ich steh zu dir (dt Text: Christoph Zehendner; Musik: Danny Plett, Interpretin: Cae Gauntt)